Politischer Stammtisch der SPD Östringen

Veröffentlicht am 19.02.2020 in Ortsverein
 

Politischer Stammtisch der SPD zu der Frage: Wie Algorithmen uns und die politische Meinung beeinflussen

Wer kennt es nicht: Als Konsument interessiere ich mich im Internet für ein Produkt, recherchiere und informiere mich. Kurz darauf erhalte ich jede Menge weitere Empfehlungen/Angebote zu diesem Produkttyp, ohne irgendetwas dafür getan zu haben. Hier sind sogenannte Empfehlungsalgorithmen am Werk.

Wie das geht und worum es sich dabei handelt war Teil eines sehr beeindruckenden Vortrags von unserem SPD-Mitglied Silke Bott, die aus Sicht der Mathematikerin und basierend auf einer Informationsbroschüre des Landes Bayern die interessierten Zuhörer im Restaurant Vogelpark informierte.

Algorithmen sind programmierte Handlungsanweisungen die Inhalte sortieren und das (Klick-)Verhalten von uns Menschen analysieren, beispielsweise wie lange wir auf einer Seite verweilen, wie lange wir brauchen um einen Text zu lesen, welche Länge dieser hat etc. Aus diesen Daten werden weitere Daten und Informationen erstellt, d.h. Algorithmen lernen und entwickeln sich auch weiter. Man spricht dann von Künstlicher Intelligenz (KI).

KI wird heutzutage schon viel eingesetzt z.B. auch bei der Bewerberauswahl von vielen großen Unternehmen, die ihre Bewerbungen damit schon vorsortieren. Oft wissen die Bewerber das nicht und auch die Kriterien für die Vorauswahl sind nicht transparent. Manchmal genügt schon ein Stichwort, das das System nicht kennt, um jemanden auszusortieren. In ihren Ausführungen machte Silke Bott deutlich, dass ein Algorithmus letztlich nur so gut wie der Entwickler sein kann.

Waren die Google Suchalgorithmen anfangs neutral, so werden heute zunehmend sogenannte Linkfarmen angelegt. Linkfarmen sind Webseiten die nur den Zweck erfüllen, Verknüpfungen (Links) zu anderen Webseiten bereitzustellen und diese werden damit in ihrer Wichtigkeit besonders hervorgehoben während andere herunterfallen.

Problematisch sind ebenfalls die sogenannten Filterblasen. Hierbei versuchen Webseiten algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Nutzer finden möchte und isolieren Informationen, die diesem Standpunkt nicht entsprechen. So wird der Nutzer in einer künstlichen Blase gehalten und bekommt in erster Linie das geliefert, was bestehende Ansichten bestärkt. Da für die meisten Leute gilt, dass sie am Ehesten dabei bleiben wenn starke Emotionen im Spiel sind, bekommen sie im Extremfall Hassreden, gezielte Falschinformationen oder Verschwörungstheorien präsentiert. Insbesondere rechte Gruppen sind in diesem Bereich sehr aktiv.

In der sich anschließenden lebendigen Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass das Elternhaus nach wie vor eine große Rolle bei der Medienerziehung spielt/spielen sollte. Da aber junge Menschen neben Schule/Studium/Beruf durchschnittlich ca. 4 Stunden täglich die neuen Medien nutzen, bedarf es einem Mehr an Aufklärung und Medienkompetenz. Junge Menschen brauchen Unterstützung bei der Erziehung zum mündigen Bürger. Die Informationssuche muss über mehrere Informationsquellen stattfinden. Hier sind auch die Parteien gefragt auf allen Kanälen aktiv zu sein, um Filterblasen entgegen zu wirken. (WP)