Workshop „Demokratie leben“

Veröffentlicht am 07.04.2022 in Veranstaltungen
 

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus unter dem diesjährigen Motto „Haltung zeigen“ veranstaltete der SPD-Ortsverein Östringen/Tiefenbach in Zusammenarbeit mit der Stadt Östringen und der Antidiskriminierungsstelle Karlsruhe einen Workshop in der Pfeffermühle.

Geleitet wurde dieser von Eva Hys und Nasrin Farkhari, die den Mitgliedern und Gästen eine gelungene Mischung aus informativem Vortrag, Anstößen zur eigenen Reflexion und Rollenspiel boten. Die Anwesenden sollten für die Themen Rassismus und Diskriminierung insbesondere im Alltag sensibilisiert werden mit dem Ziel, selbst aktiv zu werden und Haltung zu zeigen.

Zunächst wurden anhand von Alltagssituationen die Begriffe Beleidigung, Diskriminierung und Rassismus voneinander abgegrenzt. So berichtete ein Betroffener, wie beispielsweise die Bezeichnungen „Itaker“ oder „Spaghettifresser“, die er fast sein ganzes Leben lang gehört hat, ihn negativ geprägt haben. Einig war man sich, dass es auf den Kontext ankommt, aber diese immer wiederkehrenden Stiche sehr verletzend sind.

Unsere Sozialisation bestimmt unseren Blick auf die Welt und führt zu Schranken in unserem Kopf, die nur schwer zu überwinden sind. Selbst Philosophen der Aufklärung wie Kant und Hegel seien daran nicht unschuldig, so die Referentinnen. Die Dominanz der weißen „Rasse“ (der Begriff stammt eigentlich aus der Tierwelt) hat eine lange Tradition und diente der psycho-kulturellen Rechtfertigung des Kolonialismus sowie der Sklaverei und damit der Unterdrückung der Ureinwohner Amerikas und Afrikas zum wirtschaftlichen Nutzen der „Entdecker“. Der englische Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain schrieb ein Standardwerk des theoretischen Rassenantisemitismus und wurde damit zum Wortgeber Hitlers.

Viele von uns glauben, dass wir diese Einstellungen in unserer modernen, toleranten und multikulturellen Gesellschaft nicht nur weitestgehend überwunden haben, sondern auch Chancengleichheit bieten. Mit einem eindrücklichen Rollenspiel dazu sowie einem Handytest zur Diversität in unserem privaten Umfeld machten die Referentinnen den Anwesenden deutlich, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.

Oft sind wir uns der Nadelstiche, die sich in unserer Sprache ausdrücken, nicht bewusst. Sei es der „hautfarbene“ Stift, der Frage nach der Herkunft bei gebürtigen Deutschen, der Pauschalisierung z.B. „der“ Afrikaner oder dem Kompliment „Sie sprechen aber gut Deutsch“. Sprache wirkt, darüber sollten wir uns immer wieder bewusst werden.

Am Ende der Veranstaltung dankte die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins den beiden Referentinnen für die gelungene Veranstaltung und der Integrationsbeauftragten Daniela Blech-Straub für die Vorarbeit und die Beantragung der finanziellen Förderung durch den Landkreis Karlsruhe. Ein gemeinsames Essen rundete den interessanten Abend ab.

Heidi Wolf-Pfeifer